Auf den ersten Blick scheint es trivial zu sein, sich darüber Gedanken zu machen, was Veränderung ist. Etwas ist schlichtweg anders als zuvor… Aber wer verändert was, wie und wann und wer nimmt wahr, anders zu sein?
Gleich und verschieden
Wie kann etwas, was dasselbe ist verschieden sein? Wie kann etwas, was verschieden ist, dasselbe sein?
Mit anderen Worten: Wenn du dich veränderst, bist du dann nicht mehr du?
Wenn sich ein Glaubenssatz auflöst, woher weißt du dann, dass er einmal vorhanden war? Kannst du einen genauen Moment bestimmen, in dem eine Annahme verschwunden ist?
Heinz von Foerster sagt hierzu: Um Veränderung zu beschreiben, brauchen wir mentale Abstraktionen. Wir stellen uns Entitäten und Augenblicke vor und vergleichen sie miteinander. „Dies umgeht die scheinbare Schwierigkeit, einen Apfel mit sich selbst zu vergleichen, bevor und nachdem er geschält worden ist. Es bereitet aber nur geringe Schwierigkeiten, den geschälten Apfel, wie er jetzt gesehen wird, mit dem ungeschälten Apfel zu vergleichen, wie er in seinem früheren Zustand erinnert wird.“
Aussagen über Veränderung sind daher Beschreibungen über Zustände in verschiedenen zeitlichen Momenten.
Was ist ein Moment?
Bei dem Vergleich von zwei Zuständen zeigt sich ein grundsätzliches Problem von unserem Konzept über die Zeit. Klassischerweise nehmen wir Zeit nämlich als Raum wahr. Wir stellen uns Zeit so vor, als würden sich einzelne Punkte (Ereignisse) auf einem Koordinatensystem, also in einem abstrakten Raum bewegen.
Wie kommt dann aber ein Punkt genau von A nach B? Wie werden dabei Eigenschaften oder Qualitäten verändert? Die Raum-Zeit-Metapher suggeriert, dass es einen präzise erfassbaren statischen Moment gäbe, der festgehalten und zurück verfolgt werden könnte.
Zeit- ein statischer Moment?
Stephen Robbins weist darauf hin, dass schon Zenon von Elea im 5. Jhd. v. Chr. diese Sichtweise der Zeit kritisiert hat. In dem Paradox von Achilles und der Schildkröte kann Achilles, obwohl er schneller ist, die Schildkröte niemals einholen. Die Schildkröte hat anfangs einen Vorsprung erhalten, so dass Achilles zuerst den Startpunkt der Schildkröte erreichen muss. Gleichzeitig rückt die Schildkröte schon zu einem weiteren Punkt vor. Die Zeit bleibt in einem Raum stecken. deshalb kann Achilles niemals in den Raum gelangen, in dem sich die Schildkröte befindet.
Wie können wir nach dieser statischen, unbeweglichen Raum-Zeit-Vorstellung reelle Bewegungen beschreiben? Bäume wachsen, Sonnen explodieren, „Couch potatoes“ werden fett. Aber wo finden wir einen Moment, der zum nächsten führt?
Veränderung als ganzheitliche Bewegung
Henri Bergson bietet eine Definition von Veränderung bzw. Bewegung, die nicht an Raum gebunden ist und nicht in Einzelteile zerteilt wird. Sie lautet sinngemäß:
Bewegung ist wie die Dauer einer Melodie: Jede Note durchdringt die nächste Note vollkommen. Und jede Note reflektiert das gesamte Musikstück und formt auf diese Weise ein organisches Ganzes. Innerhalb der Veränderung des Ganzen ist die Veränderung des Einzelnen eine Qualitätsveränderung. Im Einzelnen überträgt sich die Bewegung der Gesamtheit auf spezifische Weise. Es funktioniert wie ein Kaleidoskop. Allerdings eines, das in Bewegung ist.
Immer, wenn du dich auf etwas festlegst, betrachtest du ein statisches, eingefrorenes Bild im Raum. Aber Zeit ist eben kein eingefrorenes Bild. Zeit kann nicht stehen bleiben. Wenn Zeit nicht als räumliches Konzept verstanden wird, kann sie auch keinen Anfang und kein Ende haben. Anfang und Ende müssen ja immer irgendein statischer Ort sein.
Wenn du dein Wahrnehmungs- und Existenzsystem grundlegend verändern möchtest, must du dich von der räumlichen Vorstellung der Zeit befreien: Dekonstruktions-Coaching
